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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Geld- und Kreditgeschäfte / Bankgewerbe

Viele Bewohner der Judengasse waren sich in Geld- und Kreditgeschäften engagiert. Ursprünglich waren Juden geschäftlich im Waren- und Fernhandel tätig gewesen. Daraus wurden sie jedoch seit dem 12. Jahrhundert von christlichen Kaufleuten aus Konkurrenzgründen verdrängt und zunächst weitgehend auf das Geld- und Kreditgeschäft beschränkt. Für diese Entwicklung waren auch theologische Gründe von Bedeutung. Das Zinsnehmen war nach der kirchlichen Lehre Christen verboten und durfte deshalb kirchenoffiziell nur von Juden ausgeübt werden. Damit entstand eine sehr widersprüchliche Situation. Einerseits war das Kreditgeschäft wirtschaftlich unabdingbar geworden, andererseits wurden diejenigen, die sich ihm zugewendet haben, also die Juden, verurteilt. Der kirchliche Antijudaismus hat hier eine seiner wesentlichen Wurzeln. Dennoch verhinderte die kirchlichen Lehre die Entwicklung eines von Christen getragenen Geldgeschäfts nicht. Die großen Geldkapitalisten der frühen Neuzeit, die Fugger, die Welser und die Imhof, waren Christen. Darüber hinaus hatten sich die Judenseit dieser Zeit auch wieder aus ihrer Beschränkung auf Geld- und Kreditgeschäfte, zu denen vor allem auch die Pfandleihe gehörte, gelöst und wieder den verschiedenen Branchen des Warenhandels zugewandt. Im Geld- und Kreditwesen haben sie aber als Geldwechsler und Wechselmakler und im 17. und 18. Jahrhundert als Hoffaktoren immer eine bedeutende Rolle gespielt. Daraus hat sich seit dem 18. Jahrhundert immer mehr das moderne Bankgeschäft entwickelt, wie wir es heute kennen. Aufgrund der Erfahrungen, die Juden über Generationen in Geld- und Kreditgeschäften gesammelt hatten, haben sie sich hier im 19. Jahrhundert besonders stark engagiert. Insbesondere der Name Rothschild ist zu einem Synonym für die Bedeutung von Juden im Bankengewerbe geworden. Im Geldgeschäft und im Bankenwesen war die Stellung der Juden über die Jahrhunderte zwar von großer Bedeutung, aber sie führte bei der (christlichen) Umwelt häufig zu einer starken Überschätzung ihres tatsächlichen Einflusses. In dieser Überschätzung verschafften sich oft starke antijüdische Affekte Ausdruck.










© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen