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Schreiber

Der Schreiber hatte im Judentum ursprünglich eine religiöse Funktion inne, da er die religiösen Texte schrieb. Für die Thorarollen und Gebetsriemen gibt es genaue Vorschriften, die das zu verwendende Material, nämlich Pergament, das Schreibgerät und die Textanordnung festlegen. Oftmals erhielten die Schreiber aufgrund ihrer Tätigkeit den Familiennamen Schreiber oder Sofer (was im hebräischen Schreiber bedeutet). Schreiber zu sein, war ein sehr angesehener Beruf. Er wurde oft auch in Verbindung mit einer anderen Tätgigkeit ausgeübt, so z.B. mit dem des Schächters oder Rabbinischen Richters, Dajan genannt. Um so schwerer wurde der Verstoß der religiösen Pflichten bei den Schreibern geahndet. So erhielt der Schreiber Wolf Hanau, der im Jahre 1748 verstarb, ein Schandbegräbnis, da er fehlerhafte Gebetbücher verkauft hatte. Und über Herts Fulda, 1770 verstorben, wurde der große Bann verhängt. Er erhielt ebenfalls ein Schandbegräbnis, da er fehlerhafte Gebetsriemen, Tefillin, angefertigt hatte. Daneben gab es auch Schreiber im Sinne von Kanzlisten oder heutigenBuchhaltern, die für die Jüdische Gemeinde den Schriftverkehr erledigten. So wohnte seit dem Jahre 1700 der arme Simon mit seiner Frau und vier Kindern im Haus Goldener Adler. Der Beruf des Schreibers ging in dieser Familie vom Vater auf den Sohn über. Im Haus Rindsfuß nahe dem Fleischmarkt wohnte zeitweilig ein Fleischschreiber, der die Fleischgeschäfte verzeichnete. Aber auch große Händler und reiche Privatleute stellten Schreiber an, die ihnen die Geschäfte führten.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen