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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Kulp-Kannschen Wirren

(um 1750) Als KulpKannscheWirren werden die heftigen Kämpfe bezeichnet, die die Familien Kulp und Kann in den 1750er Jahren um die Vorherrschaft innerhalb der Jüdischen Gemeinde führten. Die Familie Kann gehörte seit etwa zwei Jahrhunderten zu den reichsten Familien in der Judengasse. Sie hatte durch die Besetzung der wichtigsten Ämter dominierenden Einfluß innerhalb der Gemeindeverwaltung gewonnen. Hierbei war es - was für die damalige Zeit allerdings überall zu beobachten ist - zu einer starken Durchdringung von persönlichen Interessen und den sachlichen Amtspflichten und -rechten gekommen. Das galt vor allem für Bär Löb Isaak Kann, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts in der Gemeindeverwaltung das Amt eines Kastenherrn, also eines Verwalters der Finanzen, bekleidete. Als Oberhaupt der Familie Kann fühlte er sich berechtigt, einen sehr persönlichen Verwaltungsstil auszuüben und sich über die anderen Mitglieder der Gemeindeverwaltung hinwegzusetzen. Es hieß von ihm, er beherrsche die Gasse wie ein "angemaßter Fürst". Gegen sein persönliches Regimentformierte sich 1749 eine Opposition. Angeführt wurde sie von dem ebenfalls reichen und tatkräftigen David Mayer Kulp. Kann sollte vor allem zur Offenlegung der von ihm verwalteten Gemeindefinanzen gezwungen werden. Ebenso wollte man neue Gemeindevorsteher wählen, die nicht, wie die bisherigen, Kann persönlich ergeben waren. Die Kämpfe, die daraufhin zwischen Kann und Kulp ausbrachen, haben auch einen Großteil der Bewohner der Judengasse ergriffen und sie in zwei feindliche Lager gespalten. Über mehrere Jahre erschütterten sie das Gemeindeleben. Immer wieder griffen der Rat und der Kaiser in die Kämpfe ein, und jahrelang mußte städtisches Militär in der Gasse für Sicherheit sorgen. Nach Jahren erst war es möglich, neue Baumeister zu wählen und die inneren Verhältnisse in der Judengasse mit Hilfe eines neuen Reglements zu ordnen. Beim Neuaufbau der Gemeindeverwaltung wurde zwar weitgehend am Alten festgehalten, aber die Vorherrschaft der Familie Kann war nun gebrochen. Sowohl David Kulp als auch Isaak Kann hatten durch die jahrelangen Kämpfe stark an Ansehen und Vermögen verloren.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen