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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Goldener Apfel

Das Haus Goldener Apfel wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. In dem Haus wohnten über die Jahrhunderte hinweg verschiedene Familien. Die Bewohner gehörten im allgemeinen eher zu den mittleren Schichten in der Frankfurter Judengasse. In den Visitationslisten werden sie als Krämer und Hausierer, Kleiderhändler oder Verkäufer von Leinwand geführt. In diesen Listen finden sich für das Haus Goldener Apfel auch vergleichsweise detaillierte Angaben über halbwüchsige und erwachsene Söhne der dort ansässigen Familien. Eine Volljährigkeit, die mit einem bestimmten Lebensalter erreicht wird, kannte man damals nicht. Söhne und Töchter waren der elterlichen Vormundschaft bis zur eigenen Verheiratung und Familiengründung unterworfen. So hatte eine Familie, die wohl einen Kramladen betrieb, einen 15jährigen Sohn, von dem es nur heißt, er "handle nichts". In einer anderen Familie des Hauses lebte ein 23-jähriger Sohn, der im Taglohn arbeitete; von seinem 20-jährigen Bruder hingegen heißt es, daß er "nichts" tue. Diese Familie beherbergte auch einen Jungen aus Worms, dersich als Fremder in Frankfurt aufhielt. Von ihm heißt es, er trage allerhand geringe Sachen in andere Häuser aus; er war also eine Art Lastenträger. Bei den großen Bränden in der Judengasse in den Jahren 1711, 1721 und 1796 wurde das Haus Goldener Apfel dreimal zerstört. Während es nach den beiden ersten Bränden wiederaufgebaut wurde, entschied man sich nach dem Brand von 1796 für eine großzügige Neugestaltung des gesamten nördlichen Gassenareals. Das Haus verschwand dabei endgültig aus dem Frankfurter Stadtbild.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen