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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Schwarzer Bär

Frontbreite ca. 5,5 Meter Das Haus Bär war eines der ältesten Gebäude in der Judengasse und entstand kurz nach Einrichtung der Gasse. Der Frankfurter Historiker Alexander Dietz datiert es auf die Jahre 1461/62, Fritz Ettlinger in die Jahre um 1490. Auf jeden Fall gehörte es zu den frühen Häusern und war, wie Dietz schreibt: "eines der schönsten und größten Häuser", mit einer ursprünglichen Frontbreite von 9,7 Metern. Auf seinem Grundstück und durch Abspaltungen vom ursprünglichen Gebäude wurden in den folgenden hundert Jahren mindestens sieben Häuser errichtet. Da die Farbe des Hauszeichens schwarz war, wurde es am Ende der zahlreichen Teilungen Schwarzer Bär genannt. Bis zuletzt gehörte es mit einer Breite von 5,5 Metern zu den breiten Häusern der Judengasse. Die in Frankfurt entstandenen Familiennamen Bär, Baer oder Beer gehen jedoch nicht auf das Haus Bär zurück, sondern auf den Vornamen Ber. Der Schwarze Bär war das Stammhaus der Familie Worms. Der Stammvater der Familie war Vifes (Feibesch), der aus Worms nach Frankfurt kam und hier in den Jahren 1490 und1492 Vorsteher der Jüdischen Gemeinde war. Er hatte acht Kinder und starb im Jahre 1501. Seine Tochter Gutlin heiratete Haium aus Friedberg, der den Namen Worms annahm. Die weiteren Mitglieder der Familie Worms im Schwarzen Bären stammen von ihnen ab. Ende des 17. Jahrhunderts bewohnten zwei Familien das Haus, von denen eine so wohlhabend war, daß sie von ihrer Rente leben konnte und einen Studenten unterhielt, der die Kinder unterrichtete. Im Jahre 1807 starb in Offenbach ein berühmter Bewohner dieses Hauses, der kaiserliche Hoffaktor Isaac Michel Speyer. Dieser hatte als Mitglied einer Delegation der Jüdischen Gemeinde bei den Kaiserkrönungen von Josef II. und Franz II. teilgenommen. Er galt als "Führer und Sprecher der Juden". Bei dem großen Brand von 1711 wurde das Haus zerstört und mit einem zusätzlichen kleinen Hinterbau wiederaufgebaut. Im Jahre 1863 ging es in städtischen Besitz über und wurde abgebrochen.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen