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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Flörsheim, Meyer Amschel

Meyer Amschel Flörsheim war ein Mitglied der großen Frankfurter jüdischen Familie Flörsheim. Er betrieb im 18. Jahrhundert ein gutgehendes Handelsgeschäft. Flörsheim war eine schillernde Persönlichkeit. 1758 geriet er sowohl mit seiner eigenen Gemeinde als auch mit dem städtischen Rat in einen schweren Streit. Mit großem Eifer ging er gegen den Umlauf sogenannten schlechten Geldes vor, d. h. Münzen, deren Materialwert durch Beschneidung verringert worden war, so daß er nicht mehr dem Nennwert entsprach. Vor allem die zahlreichen Wechsler unter Frankfurts Juden waren daran beteiligt, solches Geld in Umlauf zu bringen. Der Rat duldete diese Praxis aus bestimmten eigenen Interessen. Flörsheim denunzierte deshalb sowohl die jüdischen Wechsler als auch den Rat beim Kaiser. Die Stadt mußte daraufhin langwierige Untersuchungen durch kaiserliche Beauftragte über sich ergehen lassen. Flörsheim war aber selbst keineswegs ohne Makel. So beschuldigte man ihn eines Gelddiebstahls. Und wegen anderer, zum Teil nicht mehr bekannter Delikte befand er sich zeitweise in Haft. Nach 1760 lebte Flörsheim teils inMainz, teils in Wien. In Wien trat er zum Christentum über, und nahm den Namen Aegidius Neuhaus an. Seine Frau Hindle, die Tochter von Löw Schwarzschild, die ihm dabei nicht folgte, wurde von ihm geschieden. Försheim klagte sie später sogar vor dem geistlichen Gericht in Mainz an, sie habe das Christentum gelästert. Der Frankfurter Rat verbat sich jedoch, daß das Mainzer Vikariat in seine eigene Gerichtsbarkeit eingreifen wollte, weshalb es nicht zum Verfahren kam. Auch gegen seinen Bruder strengte Flörsheim einen Prozeß in geschäftlichen Angelegenheiten an. Der Groll gegen ihn entlud sich einmal, als er 1768 bei einem Aufenthalt in der Frankfurter Judengasse überfallen und schwer verwundet wurde. Seine Spuren verlieren sich in den 1780er Jahren in Wien, wo er wegen Silberverfälschung erneut inhaftiert war.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen