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Pinchas Halevi Isch Horowitz

Pinchas Halevi Isch Horowitz war in den Jahren 1772 - 1805 Oberrabbiner in Frankfurt. In seine Amtszeit fielen die Anfänge der Emanzipation und die Auseinandersetzungen mit Moses Mendelssohn und der jüdischen Aufklärung. Pinchas Horowitz wurde um 1730 in Lechwitz in Polen geboren. Er zeigte schon während seiner Studien ein hervorragendes Talent. Nach seiner Heirat konnte er das Studium fortsetzen, da sein reicher Schwiegervater für den Unterhalt sorgte.In Frankfurt trat er Ende 1771 seine erste Stelle an, nachdem er sich bereits einen Ruf als talmudische Autorität und großer Gelehrter erworben hatte. Bekannt wurde er vor allem als Verfechter einer unangetasteten jüdischen Tradition und des Religionsgesetzes in den Zeiten des Umbruchs. So wandte er sich in schärfster Form gegen die ins Deutsche übersetzte Bibelausgabe durch Moses Mendelssohn, wobei er nicht die deutsche Übersetzung, sondern die Mendelssohnschen Zusätze in der Bibelauslegung verurteilte. Gegenüber deutschen Übersetzungen traditioneller Gebete, wie z.B. der Festtagsgebete, war er durchauspositiv eingestellt. Er widersetzte sich dem Plan, eine weltliche jüdische Schule in Frankfurt zu errichten, wie sie im 19. Jahrhundert im Philanthropin verwirklicht wurde, weil er darin eine Gefahr für die bislang überlieferten Werte des Judentums sah. Hierbei wurde er vom Vorstand der Gemeinde unterstützt. Er genoß das Vertrauen seiner Gemeinde und war allseits beliebt. Seine Wohltätigkeit war über die Grenzen der Gemeinde bekannt, auch Christen wandten sich mit der Bitte um Unterstützung an ihn. In vielen Testamenten wurden ihm als Oberrabbiner große Summen für wohltätige Zwecke geschenkt. Als im Jahr 1778 Löb Elias Reiss starb, hinterließ er dem Oberrabbiner 70.000 Gulden sowie sein Haus Zum Schwan, um darin ein Lehrhaus und eine Synagoge zu errichten. Er verfaßte einen Kommentar zum Talmud mit dem Titel "Hafla'ah", der als grundlegendes Werk in die rabbinische Literatur eingegangen ist, Erläuterungen zu den Fünf Bücher Mose und zahlreiche rabbinische Gutachten zu Rechtsstreitigkeiten. In den letzten Jahren vorseinem Tode war er häufig krank und erblindete völlig. Er starb am 1. Juli 1805 und wurde auf dem Friedhof Battonnstraße begraben.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen