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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Adler, Nathan

Nathan Ben Simon Hakohen Adler war ein herausragender Vertreter der Kabbalah, einer mystischen Strömung im Judentum. Nathan Adler wurde im Jahre 1742 in Frankfurt geboren und entstammte einer alteingesessenen Familie in der Judengasse. Schon als Kind hatte er die Vorlesungen des Frankfurter Oberrabbiners Jakob Josua Falk gehört. Neben talmudischen Studien beschäftigte er sich mit philosophischen wie naturwissenschaftlichen Schriften und insbesondere mit den Schriften der Kabbalah, der jüdischen Mystik. Er erklärte seinen gesamten Besitz als "frei", damit niemand bei ihm zum Dieb werden könnte und öffnete sein Haus den Armen. Zahlreiche Schüler sahen ihn als ihren Meister und geistige Autorität an und versammelten sich um ihn. Bald war er zu einer Art "Kultfigur" für die jüdischen Studenten in Frankfurt geworden. Im Hause des Rabbi Nathan wurde täglich ein Gottesdienst abgehalten, dessen Liturgie sich von dem in der Synagoge deutlich unterschied. Der Frankfurter Gemeindevorstand verfolgte sehr genau die Gebräuche und Riten, die sich unter den Jüngern desRabbi Nathan entwickelten, da es zu jener Zeit in Polen jüdische mystische Strömungen gab, die das traditionelle Judentum bekämpften und deren Vertreter mit dem Bann belegt worden waren. Nach langen Auseinandersetzungen erwirkte der Vorstand dann das Verbot dieses Gottesdienstes. Adler verließ daraufhin Frankfurt in Begleitung zahlreicher Schüler, unter ihnen auch der damals 19jährige Moses Schreiber, genannt Chatam Sofer, der später selbst ein berühmter Rabbiner und Leiter einer Talmudhochschule, Jeschiwa. Adler kehrte bald wieder nach Frankfurt zurück, lebte jedoch sehr zurückgezogen. Von seinen Anhängern wurde er weiterhin als Wundertäter gefeiert, so daß die Gemeinde 1789 die frühere Androhung des Bannes wiederholte. Erst kurz vor seinem Tode wurde diese aufgehoben. Im Jahre 1800 starb Nathan Adler und wurde auf dem Friedhof Battonnstraße beerdigt.


© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen