< Start
< zurück
 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
 Häuser  Personen  Familien  Berufe  Ereignisse  Begriffe

 
 
 
 

Hirsch, Samson Raphael

(1808-1888) Samson Raphael Hirsch war der Begründer der Austrittsgemeinde. Er gehörte in Deutschland zu den führenden Persönlichkeiten der neoorthodoxen Richtung im Judentum. Er wollte das orthodoxe Judentum im Zeitalter der Emanzipation neu beleben und trat für die Synthese von Gotteslehre, religiöser Praxis und moderner, deutscher Bildung ein, auf hebräisch "Thora im Derech Erez". Die Vereinbarkeit von absoluter Thoratreue, Frömmigkeit und säkularer Bildung, war die Grundlage seines Denkens und Handelns. Hirsch wurde am 20.Juni 1808 in Hamburg geboren. Einer seiner Vorfahren war 1690 von Frankfurt nach Hamburg gezogen. In Mannheim besuchte er die berühmte jüdische Talmudhochschule, Jeschiwa, und studierte Philologie an der Universität Bonn. Im Jahre 1830 übernahm er das Landesrabbinat in Oldenburg, 1841 siedelte er nach Emden über und ab 1847 war er als Oberlandesrabbiner von österreichischSchlesien und Mähren in Nikolsburg tätig. Im Jahre 1851 wurde er von der neu gegründeten IsraelitischenReligionsgesellschaft als ihr Rabbiner und geistiges Oberhaupt nach Frankfurt berufen. 1853 gründete Hirsch die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft, die er als erster Direktor leitete. Die Israelitische Religionsgesellschaft war damals noch eine Privatvereinigung im Rahmen der Jüdischen Gemeinde ehe sie 1876 zur eigenständigen Gemeinde als öffentliche Körperschaft werden konnte. Hirsch war der Ideologe einer radikalen und selbständigen "Austrittsorthodoxie". Er trat für die Abspaltung und den Austritt orthodoxer Kreise aus den bislang existierenden Jüdischen Gemeinden ein, wenn diese mehrheitlich der jüdischen Reformbewegung angehörten. Damit wurde das Judentum zur Konfession und verlor seinen Charakter einer kollektiven Solidargemeinschaft. Gleichzeitig trieb Hirsch die politische und kulturelle Integration in die deutsche Gesellschaft voran. Er verfaßte zahlreiche religiöse Werke, darunter eine Übersetzung der Fünf Bücher Mose und der Psalmen ins Deutsche. Er war seit 1832 verheiratet und hatte elf Kinder. Er starb am 31.Dezember 1888 in Frankfurt. Sein Grab befindet sich heute noch auf dem Jüdischen Friedhof RatBeilStraße.




© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen