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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Neuhaus, Leopold

(1879-1954) Leopold Neuhaus war von 1934-1942 und von 1945-1946 als Lehrer bzw. Rabbiner in Frankfurt tätig. Er war somit der "letzte" Frankfurter Rabbiner der jahrhundertealten Frankfurter Jüdischen Gemeinde bis zu ihrer endgültigen Zerstörung durch die Nazis. Neuhaus wurde in Rotenburg an der Fulda geboren und ging in Kassel aufs Gymnasium. An der Universität in Berlin studierte er Philosophie und besuchte gleichzeitig das orthodoxe Rabbinerseminar. Nach seiner Promotion und Ordination wurde er Rabbiner in Lauenburg (Pommern) und Ostrowo (Provinz Posen). Nachdem diese Provinz 1919 an Polen abgetreten wurde, wirkte er als Korektor der Jüdischen Schule in Leipzig. Von 1926-1934 war er Rabbiner in Mühlheim an der Ruhr, ehe er als Lehrer ans Philantropin nach Frankfurt kam. An den jüdischen Hohen Feiertagen (Rosch Haschana und Jom Kippur) fungierte er als Rabbiner in den zusätzlich eingerichteten Gottesdiensten im damaligen Jugendzentrum der Gemeinde in der Eschersheimer Landstraße 65. Nach Vernichtung der Jüdischen Gemeinde und Vertreibung aller Rabbinerverblieb er in Frankfurt und hielt noch 1941 Predigten. Am 18.August 1942 wurde Leopold Neuhaus und seine Frau Cilly mit 1020 anderen Juden nach Theresienstadt deportiert. Nach seiner Befreiung aus Theresienstadt kehrte Neuhaus im Juli 1945 nach Frankfurt zurück. Nur wenige Tage nach seiner Rückkehr hielt er im Haus des ehemaligen Jüdischen Kindergartens im Baumweg 5-7 den ersten Gottesdienst ab. Von der amerikanischen Besatzungsmacht wurde er mit der Gründung der Jüdischen Gemeinde beauftragt. Rabbiner Neuhaus kümmerte sich vor allem um die materiellen und religiösen Belange der wenigen Überlebenden. Ein koscherer Mittagstisch wurde eingerichtet, das jüdische Altersheim im November 1945 er-öffnet und jüdischer Religionsunterricht für jüdische Kinder eingeführt. Unter der Schriftleitung von Rabbiner Neuhaus wurde ab Oktober 1945 ein "Mitteilungsblatt der Jüdischen Gemeinden und Betreuungsstellen" herausgegeben.1946 wanderte Neuhaus nach Detroit (Michigan) aus und war dort bis zu seinem Tode im Jahr 1954 als Rabbiner tätig.




© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen