< Start
< zurück
 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
 Häuser  Personen  Familien  Berufe  Ereignisse  Begriffe

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Bildungswesen

Das Bildungswesen gehörte von jeher zu den zentralen Aufgaben einer jüdischen Gemeinde. Es vermittelte vor allem Kenntnisse der hebräischen Sprache, in der die Gebete und religiö-sen Schriften geschrieben sind, sowie der religionsgesetzlichen Grundlagen des Judentums. Der Elementarunterricht wurde von den Schulmeistern durchgeführt und in der Regel nur von Kindern der Frankfurter Stättigkeitsjuden besucht. Der Unterricht begann im Alter von drei Jahren mit dem Erlernen des hebräischen Alphabeths und endete in der Regel mit dreizehn Jahren, wenn die religiöse Mündigkeit, die Bar Mizwah gefeiert wird. In den allgemeinen Fächern wurde, wenn überhaupt, nur ein minimales Grundwissen vermittelt, das Hebräische und die Studien der Heiligen Schriften hatten den Vorrang. Wohlhabende Juden beschäftigten Hauslehrer, während die ärmeren ihre Kinder in den Gemeinschaftsunterricht schickten. Der höhere Unterricht fand in der Jeschiwa, der religiösen Talmudhochschule, statt. Unter Aufsicht des Rabbiners vertieften sich die Studenten, die auch von auswärts kamen, vor allem in den Talmud. Vor dem 17. Jahrhundert befaßte man sich in Frankfurt kaum mit pädagogischen Fragen, wie Rabbiner Juspa Hahn in seinem Werk "Josif Omez" bedauerte. Er widmete einige Kapitel der Studienordnung und betonte besonders die Wichtigkeit des Studiums der Bibel. Erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts begannen sich auch die Gemeindevorsteher um das Unterrichtswesen zu kümmern. Sie setzten im Jahre 1662 eine besondere Unterrichtskommission ein, die den Unterricht überwachen und die Höhe der Gehälter bestimmen sollte. Außerdem sollte an jedem Donnerstag eine Prüfung abgehalten werden. Die Zahl der Gemeindelehrer wurde auf zehn, die der Hilfslehrer auf dreißig festgesetzt. Die Lehrer durften im Winter nicht mehr als acht, im Sommer nicht mehr als neun Stunden täglich unterrichten und ihr Honorar wurde festgelegt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts versuchten einige Gemeindemitglieder vergeblich eine Privatschule zu gründen, in der auch die deutsche und französische Sprache sowie Schreiben und Rechnen unterrichtet werden sollte. Einige Jahre später wurde dann mitden Ideen der Aufklärung und der Emanzpation das traditionelle Bildungswesen reformiert.








© Jüd. Museum Frankfurt 1992-2002  /  Quellen