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 Infobank Judengassse Frankfurt am Main
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Quellen

Visitationslisten

Der Rat der Stadt Frankfurt ließ u. a. in den Jahren 1694, 1703 und 1709 sogenannte Visitationslisten in der Judengasse erstellen. In diesen Listen wurden alle jüdischen Haushaltungen, die Zahl ihrer Mitglieder, aufgeschlüsselt nach Männern, Frauen, Kindern, Gesinde und Fremden, sowie die jeweilige Erwerbsgrundlage erfaßt. Die Listen dienten als Kontrollinstrument der städtischen Bürokratie, um die Größe der Jüdischen Gemeinde und ihre Steuerkraft genauer einschätzen zu können. Erstellt wurden sie, wie der Name sagt, durch die Visite eines städtischen Beamten in der Gasse. 1694 war dies Martin Waldschmidt, der erste festangestellte Leiter der Frankfurter Stadtbibliothek, der heutigen Stadt- und Universitätsbibliothek. Der Beamte wurde von den Baumeistern und dem Schulklopfer durch die Haushalte begleitet. Er notierte, was er vor Ort selbst beobachtete und was ihm mündlich mitgeteilt wurde. Dabei kam es zu manchen Ungenauigkeiten, etwa wenn der Beamte den Namen mißverstand und falsch niederschrieb. Auch die Angaben zu den Berufen sind oft nur sehr vage und lassen verschiedene Schlüsse zu. - Solche Ungenauigkeiten sind freilich für Quellen dieser Art aus der damaligen Zeit durchaus typisch.

Die Judenbaubücher

Die vom Frankfurter Rat geführten Judenbaubücher sind die wichtigste Quelle für die Baugeschichte der Judengasse. Die ersten beiden dieser Bücher wurden gleich nach dem Beschluß zur Einrichtung der Gasse angelegt und enthalten von 1460 bis 1463 die Ausgaben der Stadt für den Bau der Synagoge, der Mikwe und der ersten Wohnhäuser in der Judengasse. Seitdem die Juden selbst die Kosten für den Bau neuer Häuser aufbringen mußten, wurden in den Baubüchern nur noch die Genehmigungen des Rates für die Neu- und Umbauten in der Judengasse protokolliert. Das 1711 nach dem großen Brand neu angelegte Judenbaubuch stellt einen Sonderfall dar, da für fast alle Häuser eine Vorderansicht und eine Seitenansicht als Zeichnung beigefügt wurde. Auf dieser Grundlage war es dem Jüdischen Museum möglich, ein Modell der nach dem Brand von 1711 wiederaufgebauten Gasse anfertigen zu lassen.

Alexander Dietz

Alexander Dietz (1864 - 1934) war ein angesehener Frankfurter Notar und Rechtsanwalt. Obwohl er kein ausgebildeter Historiker war und sich seinen geschichtlichen Studien nur aus persönlicher Liebhaberei widmete, gilt er als eine der bedeutendsten Figuren der Frankfurter Stadtgeschichtsforschung. Erstaunlich sind unter diesen Umständen die Resultate, die er hervorbrachte. Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen ist die bedeutendste seine vierbändige Frankfurter Handelsgeschichte, die bis heute ein Standardwerk der umfangreichen Frankfurt-Literatur darstellt. Für die Geschichte der Frankfurter Juden hat Dietz ebenfalls ein grundlegendes Werk vorgelegt: sein 1907 erschienenes "Stammbuch der Frankfurter Juden". Darin gibt er für die Zeit von 1349 bis 1849 Auskunft über die Herkunft und die Geschichte von 625 jüdischen Familien, über ihre Wohnhäuser, ihr soziales, ökonomisches und kulturelles Leben und anderes. Die Eintragungen dieser Infobank basieren vielfach auf den Forschungsergebnissen von Dietz.

Shlomo Ettlinger

Shlomo Ettlinger (1889 - 1964) war ein Frankfurter Rechtsanwalt. Als Jude durfte er sich während der NS-Zeit nicht mehr beruflich betätigen. So wendete er sich forschend der Geschichte der Frankfurter Juden zu. Als er 1937 emigrieren mußte, führte er diese Arbeit in Israel weiter. Nach dem Krieg lebte er zeitweise wieder in Frankfurt, wo er sich bis zu seinem Lebensende seinen Forschungen widmete. Ettlinger wertete umfassend historische Quellen aus, um Abstammung, Verehelichung, Sterbedatum, Wohnhäuser u. a. sämtlicher Juden Frankfurts bis ins 19. Jahrhundert hinein zu erfassen. Mit Hilfe von Ettlingers Werk "Ele Toldot" ist es möglich, nicht nur die historisch bedeutenden, sondern bis zurück ins späte Mittelalter fast alle Frankfurter Juden einzeln zu identifizieren. Die Daten zu jeder Person befinden sich jeweils auf einem Blatt. Zu zahlreichen Bänden gebunden (die zusammen über zwei Regalmeter belegen) ist diese Werk ein anschaulicher Beleg für den enormen Fleiß des Forschers. Die Originale befinden sich im Frankfurter Stadtarchiv, Kopien im Jüdischen Museum und in der Stadt- und Universitätsbibliothek. Ettlingers Werk beeindruckt in erster Linie durch seine Quantität. Als Quelle ist es auch für die Fachwissenschaft von Bedeutung. Die Eintragungen dieser Infobank basieren vielfach auf den Forschungsergebnissen von Ettlinger.

Isidor Kracauer

Isidor Kracauer wurde 1852 in Sagan/Schlesien geboren. Nach dem Studium der Geschichte und Promotion in Breslau kam er 1875 nach Frankfurt, wo er als Lehrer am Philanthropin, einer der bedeutendsten jüdischen Schulen in Deutschland, tätig wurde. Kracauer befaßte sich intensiv mit der Geschichte der Frankfurter Juden. Resultat seiner Forschungen sind eine Reihe wichtiger Veröffentlichungen zu dem Thema, so vor allem seine zweibändige "Geschichte der Frankfurter Juden". Kracauer starb 1923 in Frankfurt. Er war der Onkel des bekannten Soziologen und Schriftstellers Siegfried Kracauer.












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